Gewerbe | Die letzte Traditionsbäckerei in der Lonzastadt geht nächste Woche zu

Er würde nochmals Bäcker lernen

Ritter des guten Brotes. Josef «Schosi» Schwarz ist noch bis nächste Woche in der Backstube seines Geschäfts anzutreffen.
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Ritter des guten Brotes. Josef «Schosi» Schwarz ist noch bis nächste Woche in der Backstube seines Geschäfts anzutreffen.
Foto: Walliser Bote

Quelle: WB 25.05.18 0
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Visp | Die Bäckerei Josef Schwarz schliesst Ende Monat. Nicht etwa aus wirtschaftlichen Gründen wie andere Betriebe. Josef Schwarz will aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Die Nachfolge hat er bereits geregelt.

Noch bis an Fronleichnam gibt es die Bäckerei Schwarz an der unteren Visper Bahnhofstrasse. Die letzte eigen­tliche Traditionsbäckerei in der Lon- zastadt. Dann ist Schluss für Josef Schwarz oder «Schosi», wie ihn Freunde und gute Bekannte nennen. Schosi verabschiedet sich aus dem strengen Berufsalltag des Brotbackens. Momentan hat er die Emotionen im Griff. Zu viel Organisatorisches steht noch an, damit am «Herrgottstag» dann wirklich alles bereit ist für die Übergabe. Das Handwerkliche werde er vermissen, versichert Schwarz. Das Gesellschaftliche sicherlich auch. Denn er ist ein sehr geselliger Mensch, man kennt ihn und er kennt seine Kunden. Von denen es trotz Konkurrenz der Grossverteiler noch viele gibt.

Lehre beim Vater gemacht, ­einem strengen Lehrmeister
966 hatten seine Eltern das Geschäft an der Bahnhofstrasse von der Familie Viktor Ab-Egg übernommen. Es gab noch mehrere als Familienbetrieb geführte Bäckereien auf Platz Visp. Junior Josef machte bei Papa Sepp, ein Bäcker mit Leib und Seele, die Lehre. Dieser verstarb 1988 mit erst 57 Jahren. «Er war ein lieber Vater, aber ein sehr strenger Lehrmeister», sagt Schosi. «Ferien kannte er lange nicht.» Der Vater war aus Österreich nach Visp ­gezogen und hatte bei Viktor Ab-Egg eine Stelle gefunden und Schosis Mutter kennengelernt. Schosi ist in der Lonzastadt geboren und aufgewachsen.

Drei Generationen Bäcker
Ab 1989 hat er das Geschäft gemeinsam mit seinem Schwager Stefan Fux geführt. 2005 trennten sich die beiden und Schosi übernahm das Geschäft ­zusammen mit seiner Gattin Annelies als Bäckerei Josef Schwarz Visp AG. 2007 absolvierte der ältere Sohn Andreas die Lehre im Betrieb. Es kam Hoffnung auf, dass dieser den Betrieb übernehmen könnte. Dieser entschied sich 2015 nach längerem Hin und Her doch dagegen, den Familienbetrieb weiterzuführen. Bereits die Jahre zuvor litt Schosi an gesundheitlichen Problemen und musste sich behandeln lassen. Wie er im Gespräch im Geschäft ausführt, hat er sich davon bis heute nie richtig erholt. Sein Umfeld riet ihm mehrmals, den Betrieb aufzugeben und sich zu schonen.

Doch bis im vergangenen September hatte Schosi dafür kein Gehör. Dann ging es um die mögliche ­Verlängerung des Mietvertrags. Dabei fiel der Entscheid, es bleiben zu lassen: «Ich habe die Vernunft walten lassen und mir gesagt, nun höre ich auf.» Seit erst drei Wochen jedoch sei dieser Entschluss gefestigt. Speziell stolz ist Bäcker Schosi auf die kantonale Auszeichnung «Ritter des guten Brotes». Diese Bruderschaft hat sich ganz der Leidenschaft zum guten Brot verschrieben. Das Brot und dessen Vielfalt hat in den letzten Jahren gewaltige Ausmasse angenommen. Gab es früher vorwiegend «hell» und «dunkel», dazu noch Roggenbrot, sind es heute in Schosis Geschäft über 50 Brotsorten, die verkauft werden.

Goldmedaille fürs Visper Brot
An der Swiss Bakery Trophy hat Bäcker Schosi gleich mehrmals Preise abgeräumt. Seit 2004 nimmt er an diesem nationalen Wettbewerb teil, seither gab es in jedem Jahr eine Auszeichnung für ein Brot. Auf Anhieb hatte es im ersten Jahr gar zu Gold gereicht: fürs Visper Brot, dieses rustikale, leicht angesäuerte Brot mit Roggenanteil. Schwarz ist Bäcker durch und durch, das spürt man. Wäre er nochmals ein Jungspund, würde er sich erneut für den Beruf des Bäckers entscheiden: «Das ist ein super Job, wenn auch sehr anstrengend. Er fordert viel.» Besonders die Arbeit während der Nacht ist gewöhnungsbedürftig. Schosi gefällt speziell das Kreative an seiner Arbeit, dass er selbst Produkte entwickeln kann.

Auch der Kontakt mit den Menschen im Laden war ihm stets wichtig. Er schätzt die guten Gespräche, die mit dem frischen Brot beginnen und irgendwo bei Gott und der Welt aufhören. Viele kennen Schwarz nebst seiner Tätigkeit als Bäcker von seiner Zeit als Spieler beim FC Visp. Eine halbe Saison lang spielte er Ende der 1970er-Jahre sogar als Center der 1. Mannschaft in der 1. Liga. Beruf und Hobby waren aber nicht mehr unter einen Hut zu bringen. Schosi musste als Tschutter kürzertreten.

Imboden folgt auf Schwarz an der Bahnhofstrasse
Die Nachfolge für den Bäckereibetrieb ist über nächste Woche hinaus einvernehmlich geregelt. Ab Anfang Juni versorgt die Bäckerei Imboden AG statt der Bäckerei Schwarz die Kunden täglich mit frischem Brot. Schosi ist sehr froh darüber, dass ein lokaler Betrieb gefunden werden konnte, der grossen Wert auf Handwerk legt und gezielt regionale Rohstoffe fördert. Für den Visper Bäcker gehts nach dem «Herrgottstag» an die weitere Planung.

Daniel Zumoberhaus
25. Mai 2018, 18:04
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