Gesundheit | E-Zigaretten sind auch im Oberwallis zunehmend gefragt
«Das Atmen fiel mir sofort leichter»
Überzeugte Dampfer. Die beiden Shopinhaber Rachel Jossen und Andreas Komposch (vorne), sowie der Geschäftsverantwortliche Mathias Bosshard (mitte) waren früher starke Zigarettenraucher.
Foto: Walliser Bote
Oberwallis | E-Zigaretten sind seit den Todesfällen in den USA vom vergangenen September, quasi in aller Munde. Ist Dampfen schädlich? Oder alles nur Hysterie? Die Betreiber des Dampfershops «Red Vape» in Brig nehmen Stellung.
Es dampft gewaltig im Laden von Rachel Jossen und Andreas Komposch in Brig und dies ist auch ausdrücklich erwünscht. Denn die Auswahl an Liquids für E-Zigaretten ist riesig. Die Geschmäcker reichen von Kiwi, bis Mandarine über Menthol bis hin zu kubanischem Tabak. «Bei uns darf jede Geschmacksrichtung an einer grossen Testbar probiert werden. Da sich der Geschmackssinn nach etwa zwei Wochen dampfen verändert, braucht es manchmal einen zweiten oder dritten Anlauf, bis man seine Mischung hat. Es braucht Geduld», erklärt Jossen.
Umstieg geschafft
Sowohl Jossen, als auch Komposch waren beide jahrelang starke Rauscher. Komposch hatte nach 35 Jahren, die er zum Glimmstängel griff, starke gesundheitlich Probleme. Für ihn sei der Umstieg auf die E-Zigarette die Rettung gewesen und die Motivation einen eigenen Laden zu eröffnen. «E-Zigaretten haben, und das ist wissenschaftlich erwiesen 95 Prozent weniger Schadstoffe als Tabakrauch und sind ein wirksamer Ausstieg für Raucher. Nach dem Umstieg fiel mir das Atmen sofort leichter, vor allem beim Sport oder Treppensteigen».
Mittlerweile gibt es den Briger Shop seit fünf Jahren. Der Anfang war allerdings nicht einfach, erinnert sich Jossen. «Damals war das Dampfen noch relativ unbekannt. Wir mussten uns gedulden, aber nach rund einem Jahr wuchs die Nachfrage stetig. Mittlerweile gibt es immer mehr Leute, die sich für E-Zigaretten interessieren». Mehr als 90 Prozent ihrer Kunden seien ehemalige Raucher, die dank dem Dampfen vom Glimmstängel los kommen wollen – viele erfolgreich. Das A und O, sei die Beratung. «Wir empfehlen sich für ein Erstgespräch mindestens eine halbe Stunde Zeit zu nehmen um die verschiedenen E-Zigaretten-Modelle und deren Handhabung Zeit zu nehmen», so Jossen.
Streng kontrollierte Liquids
In Amerika mussten im September des vergangenen Jahres Hunderte E-Zigaretten-Nutzer mit Lungenschäden hospitalisiert werden. Einige Dampfer sind gestorben. Die Fälle wurden genauer untersucht. Es hat sich gezeigt, dass in den USA E-Zigaretten zunehmend genutzt werden um THC (den berauschenden Inhaltsstoff von Cannabis) oder andere Cannabis-Produkte zu inhalieren. In zwei Gliedstaaten, Illinois und Wisconsin, wurden die Fälle gemäss einem Artikel der NZZ genauer untersucht. Insgesamt 84 Prozent der Betroffenen hatten offenbar THC-haltige E-Liquids inhaliert. Diese haben sie sich auf dem Schwarzmarkt besorgt.
Im Briger Laden werden nur streng kontrollierte Liquids angeboten. «Für jedes Produkt gibt es eine Laboranalyse und ein Zertifikat. Man sollte seine Liquids nur in Fachgeschäften beziehen und niemals aus dubiosen Quellen im Internet. Zudem raten wir auch von ölhaltigen Stoffen ab», so Komposch. Die Liquids enthalten gemäss den Experten Inhaltstoffe, die besipielsweise auch bei der Glaceherrstellung verwendet werden, so Glycerin, Propylenglykol, Lebensmittelaromen und Nikotin. Für die beiden Shopbetreiber unter anderem auch die Medien für die Hysterie rund um die Todesfälle in Amerika verantwortlich, die schlecht recherchierte Artikel und reisserische Schlagzeilen verbreiteten.
Die Menge macht...
Fakt ist, Studien zur Schädlichkeit von E-Zigaretten gibt es noch nicht. Hier verweist Jossen auf eine Artikel von Professor Dr. Bernhard-Michael Meyer, Pharmakologe und Toxikologe an der Karl-Franzen-Universität in Graz. Seiner Meinung nach sind neue Produkte, wie die E-Zigaretten als sicher einzustufen. solange es keine Hinweise auf Schädlichkeit gibt und kein pausibler Grund für die Annahme von Schädlichkeit besteht. «Im Fall von E-Zigaretten ist diese Voraussetzung gegeben. Ausserdem gibt es nach 12 Jahren der Verfügbarkeit dieser Zigaretten keinen Hinweis auf Gesundheitsschädigung von Dampfern», schreibt er weiter.
Aber auch beim Dampfen gilt, die Menge macht das Gift, zeigt sich Jossen überzeugt. «Wenn ich ein Gerät habe mit 200 Watt und 20 mg Nikotin in meinen Liquids nutze, ist die Konzentration klar höher und kann zu Kopfschmerzen führen. Dies ist aber nicht geniessbar und kommt darum auch kaum vor». Eine Gemeinschaft von langjährigen Dampfern hat die Internetseite «E-Zigaretten retten Leben» aufgeschaltet. Hier wollen sie Konsumenten mit Fakten versorgen und aufklären. «Kurz gesagt, hier erfährt man die Wahrheit über E-Zigaretten», fasst Jossen zusammen.
Melanie Biaggi








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